Weniger ist mehr

Ein Kunstfreund besaß  eine wunderbare Gemäldesammlung. Die Bilder waren weithin berühmt.

Auf einem Fest sprach ihn eine Dame an und fragte, ob sie einmal seine berühmte Gemälde-sammlung anschauen dürfe. „Aber selbstverständlich“, erwiderte der Kunstfreund, „Bilder wollen angeschaut werden.“ Man machte eine Zeit für die Besichtigung aus.

Zum vereinbarten Termin erschien die Dame, ihr Gesicht war voller Erwartung. Der Kunstfreund führte sie in ein großes Zimmer, das bis auf den Holzfußboden ganz in einem matten Weiß gehalten war. In der Mitte des Zimmers stand ein Stuhl, bequem, aber nicht zu bequem. Und an der Wand hing ein einziges Gemälde.

Die Dame sagte: „Aber ich wollte doch Ihre Gemäldesammlung sehen.“

Darauf der Kunstfreund: „Wenn alle meine Bilder in diesem Raum wären, dann würden Sie kein einziges Bild sehen. Nehmen Sie bitte Platz. Ich lasse Sie jetzt für eine Weile allein.“ Sprach’s und ging.

Als sich Dame nach geraumer Zeit verabschiedete, sagte sie: „Ich danke Ihnen sehr herzlich. Ich glaube, ich habe verstanden, was Sie meinten.“